PROJECT ON-FARM
TITEL DES PRAXISBEISPIELS
Der Biohof Lecker: Lieferdienst und alte Sorten
IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS
Rahmendaten
BiohofLecker
Land
- Deutschland
Name des Betriebs
- Familienbetrieb
- Beteiligungsgesellschaft
Landwirtschaft
- Ackerbau/Gartenbau
- Tierzucht
- Produktverarbeitung auf dem Betrieb
Direktvermarktung
- Bauernmärkte
- Onlineverkauf
DER BETRIEB
Der Biohof Lecker ist ein ökologischer Familienbetrieb. Die Umstellung auf ökologischen Landbau erfolgte bereits im Jahr 1994. Es werden insgesamt drei Höfe bewirtschaftet:
• Der Urbanhof in Niederheining (Freilandhühner; Nudelherstellung; Laufener Landweizen)
• Der Lirzerhof in Schiffmoning (Milchkühe; Hofmolkerei)
• Der Bauernhof in Hinterau (Ackerbau; Obstbau)
Ein großer Schwerpunkt und eine Haupteinnahmequelle ist die so genannte Ökokiste – ein Lebensmittel-Lieferdienst. Der Ökokisten-Lieferservice wurde im Jahr 2009 gegründet. Darüber hinaus ist der Biohof Lecker auch Mitglied des Ökokistenverbandes. Aber die Produkte werden nicht nur in der Ökokiste verkauft, sondern können auch an den Ständen des Biohofs auf Wochen- und Bauernmärkten erworben werden. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes aus der Direktvermarktung erwirtschaftet der Hof mit dem Ökokisten-Lieferservice. Der Rest stammt aus dem Verkauf auf den Wochenmärkten.
WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?
Der Biohof Lecker hat verschiedene innovative Konzepte verfolgt, indem er seine Produktionsmethoden umgestellt, neue Produkte entwickelt und mit gleichgesinnten Partnern in der Region zusammengearbeitet hat. Eine große Veränderung war die Umstellung auf den ökologischen Landbau. Eines der wichtigsten Erzeugnisse ist der Anbau von Laufener Landweizen – einer alten Sorte, die bereits im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Obwohl der Laufener Landweizen auf der Slow-Food-Liste für regionale Sorten steht, wird er heute nur noch von etwa 20 Betrieben in Europa und wahrscheinlich weltweit angebaut. Je nach Größe der Fläche wird der Laufener Landweizen jährlich auf circa zwei Hektar angebaut. Die Vermarktung der Getreideprodukte erfolgt über den Ökokisten-Lieferservice. Teilweise wird das Mehl allerdings auch vom lokalen Bäcker verarbeitet. Die Brote werden ebenfalls über den Lieferdienst vermarktet. Der Hof ist seit 2022 Partnerbetrieb der UNESCO-Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Ziel ist es, die nachhaltige Entwicklung im Berchtesgadener Land mitzugestalten und zu fördern. Dazu gehört die Umsetzung vieler Nachhaltigkeitsmaßnahmen in den Geschäftsprozessen des Betriebes und die Rolle des Botschafters für die Biosphärenregion. 2015 wurde das „Gockelprojekt" ins Leben gerufen: Hintergrund ist die oft praktizierte Praxis, dass männliche Küken von speziellen Legehennenrassen nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet werden. Gegen diese unethische Praxis der industriellen Eierproduktion will der Biohof angehen. Denn sie widerspricht der Philosophie des Unternehmens im Umgang mit Lebewesen. Deshalb werden auf dem Biohof Lecker auch die männlichen Küken aufgezogen. Der Biohof Lecker ist Mitbegründer des Vereins Ökogenuss Waginger See im Jahr 2020. Ziel des Vereins ist es, Bio-Produkte aus der Region über eine Online-Plattform zu vermarkten. Die Pflege der Plattform und die Logistik werden vom Biohof übernommen. Darüber hinaus beteiligt sich der Biohof auch an anderen Initiativen und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz durch die Greensurance Foundation. Diese kompensiert durch ein Moorprojekt Treibhausgasemissionen. Auch finanziert die Sparkasse Berchtesgadener Land ein Humusrückgewinnungsprojekt, das auf dem Hof umgesetzt wird.
WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?
Als Ökobetrieb liegen Nachhaltigkeit und Verantwortung für künftige Generationen ganz nah beieinander. Mit der Mitgliedschaft im Ökokistenverband und gestärkt durch die erste Gemeinwohl-Bilanz spielen Nachhaltigkeitsaspekte, die über die ökologische Erzeugung von Lebensmitteln hinausgehen, eine immer wichtigere Rolle bei der Weiterentwicklung des Biohofs. Es ist wichtig, sich als Unternehmen am Ziel einer maximalen Klimaerwärmung von 1,5 °C zu beteiligen, einen fairen und gerechten Handel zu fördern und regionale Wirtschaftskreisläufe voranzutreiben.
WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?
Viele der Unternehmensziele des Hofs sind nicht geschäftsorientiert. Die Fähigkeit, sie zu erreichen, hängt also von den verfügbaren finanziellen Mitteln ab. Ein wesentliches Hindernis bei der Produktion von Laufener Landweizen war es beispielsweise, genügend Saatgut zu produzieren. Nach zwei Jahren war genügend Saatgut vorhanden, so, dass mit der eigenen Produktion begonnen werden konnte. Eine alte Sorte, wie Laufener Landweizen, erfordert qualitativ hochwertige Produkte und Direktvermarktung, um die Herstellungskosten zu decken. Obwohl die alte Sorte sehr gut an die Bedingungen in der Region angepasst ist, zeichnen sich die modernen Sorten durch eine höhere Produktivität aus. Dennoch erweitern Spezialitäten aus alten Sorten wie Teigwaren oder Brot die Produktpalette, indem sie ein einzigartiges und interessantes Produkt in die Ökokiste bringen.
REFLEKTION DER ERGEBNISSE
Die Arbeit in einem Unternehmen, das „enkeltauglich" ist, bietet ein hohes Maß an persönlicher Zufriedenheit. Das Unternehmen kommuniziert diese Werte auch nach außen und kann so erreichen, dass die Mitarbeiter:innen auch deshalb im Unternehmen arbeiten wollen, weil sie in einer sinnvollen Arbeit persönliche Erfüllung finden. Auch viele der Kund:innen honorieren den eingeschlagenen Weg der Nachhaltigkeit.
ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK
Die aktuelle Marktsituation ist sehr wechselhaft. Eine hohe Nachfrage in den Corona-Jahren 2021 und 2022 trifft auf Kaufzurückhaltung im aktuellen Ukraine-Konflikt. Der Biohof Lecker wird seinen Weg weitergehen, denn der Betrieb glaubt fest daran, dass nachhaltiges Wirtschaften Zukunft hat!
ABSCHLIEßENDES
Allgemeine Bewertung
Seit 2009 betreibt der Biohof Lecker seinen Biokisten-Lieferservice. Mittlerweile ist er dadurch gut im Markt etabliert und macht immer wieder spannende neue Erfahrungen und Erkenntnisse.
Ratschläge und Empfehlungen
Die Betriebsleitung empfiehlt: „Tun Sie es! Seien Sie authentisch und leben Sie Ihre Werte! Die Produktion von Lebensmitteln hat immer eine Zukunft.“

