PROJECT ON-FARM
TITEL DES PRAXISBEISPIELS
Eine Erzeugergemeinschaft für Weizen aus der Toskana
IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS
Rahmendaten
PROCEVA
Land
- Italien
Name des Betriebs
- Beteiligungsgesellschaft
Landwirtschaft
- Ackerbau/Gartenbau
Direktvermarktung
- Direktvermarktung über Hofladen oder externen Lebensmittelladen
DER BETRIEB
Die Erzeugergemeinschaft PROCEVA (Produttori Cereali Valdelsa) wird vom Vorsitzenden Angiolo Simonetti geleitet. Er initiierte die Gründung der Erzeugergemeinschaft gemeinsam mit insgesamt vier weiteren Betrieben. Ziel der Erzeugergemeinschaft ist die gemeinsame Vermarktung ihrer Produkte und gegenseitige Unterstützung sowie ein regelmäßiger Austausch von Wissen und Erfahrungen. Die Anbaufläche der vier Betriebe beträgt insgesamt circa 1500 Hektar und liegt in einem Umkreis von ungefähr 15 Kilometern vom jeweiligen Betriebsstandort in der Region Empolese-Valdelsa. Weitere Information sind auf https://www.proceva.it/ und https://pinfoid.ciatoscana.eu/ zu finden.
WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?
PROCEVA. bewarb sich direkt nach der Gründung als erstes um Fördermittel der Region Toskana im Rahmen des Programms zur Entwicklung des ländlichen Raums. Dadurch wurde die Erzeugergemeinschaft dabei unterstützt kurze Lebensmittelketten aufzubauen und ihre Produkte regional zu vermarkten. Durch eine Vereinbarung mit Mühlen und Verarbeitungsbetrieben in der Region werden verschiedene Teig- und Backwaren unter dem Label PROCEVA. vermarktet. Der Verkauf erfolgt ohne Zwischenhändler, dank eines Vertrags mit einer Supermarktkette. Heute hat die Erzeugergemeinschaft Vereinbarungen und Kooperationen mit Unicoop Florenz, Bäckereien, Konditoreien und Mühlen, über die circa 4000 Tonnen Weizen und 150 Tonnen Hartweizen vermarktet werden. Darüber hinaus nahm die Erzeugergenossenschaft an einem zweijährigen Forschungsprojekt der Scuole Superiore Sant’Anna teil, in dem die nutrazeutischen Eigenschaften des Weizens erforscht wurden. Die Ziele des Projektes waren die Verbesserung der Qualität des Weizens und anderen Produkten, durch innovative Produktionsverfahren wie den regelmäßigen Wechsel der angebauten Sorten, eines geringeren Einsatzes von chemischen Mitteln, dem vollständigen Verzicht von Glyphosat und weitere Änderungen. Dadurch sollten die gesundheitsförderlichen Eigenschaften des Weizens erhöht werden. Die nutrazeutischen Eigenschaften der Produkte (Nudeln und Backwaren) wurden von der Universitätsklinik von Pisa an einer Gruppe von Personen getestet, die an Morbus Crohn, einer Darmkrankheit, leiden.
WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?
Der Hauptgrund für die Gründung der Erzeugergemeinschaft, war das Ziel, die Weizen- und Getreideproduktion zu besseren Konditionen vermarkten zu können. Sie wollten hochwertige Produkte herstellen und die Rückverfolgbarkeit gewährleisten, um den Ansprüchen der Verbraucher:innen gerecht zu werden. Die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft sehen im Zusammenschluss eine gute Lösung, um ein angemessenes Einkommen und ein gutes wirtschaftliches Ergebnis für ihre Landwirtschaftsbetriebe zu erzielen. Dabei gilt es die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in der Region Empolese-Valdelsa zu berücksichtigen:
• Das Gelände besteht zum größten Teil aus Hügeln und Bergen, mit geringen Erträgen;
• Der größte Teil der landwirtschaftlichen Betriebe besteht aus kleinen bis mittelgroßen Familienbetrieben;
• Die Landwirtschaft bietet eine breite Palette von Produkten hoher Qualität, die sowohl von den Verbraucher:innen als auch von den Gästen in der Toskana nachgefragt werden.
Daher bot die Umstellung auf Direktvermarktung die Möglichkeit, die Wertschöpfung des Weizens und der anderen Getreidesorten zu steigern. Das sichert bis heute das Überleben der Betriebe.
WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?
Zum Zeitpunkt der Gründung der Erzeugergemeinschaft, war diese Unternehmensform in der Region praktisch unbekannt. Das erschwerte den Gründungsprozess sowie die Organisation der Erzeugergemeinschaft. Die zweite Schwierigkeit bestand darin, die Zeit zu überbrücken, bis der Förderantrag zum Aufbau der eigenen kurzen Wertschöpfungsketten genehmigt und damit die Finanzierung dieses Vorhabens gesichert war. Die letzte Herausforderung war die Covid-19-Pandemie. Aufgrund von Beschränkungen konnten Aktivitäten in der Direktvermarktung nicht umgesetzt werden.
REFLEKTION DER ERGEBNISSE
Das Förderprojekt zum Aufbau der Direktvermarktung wurde im September 2022 erfolgreich abgeschlossen. Durch Förderung mit Mitteln aus dem Entwicklungsprogramm für ländliche Räume konnten kurzen Lebensmittelketten etabliert werden. Diese Co-Finanzierung ermöglichte der Erzeugergemeinschaft einen erfolgreichen Start. Darüber hinaus hat die Unterstützung, die Konsolidierung der Erzeugergemeinschaft und der Geschäftsbeziehungen, die Einbeziehung anderer Betriebe, die Ausweitung der Geschäftsbeziehungen und die Förderung einer Beziehung mit der lokalen Verwaltung, gefördert. Ein weiterer wichtiger Grund für die Zufriedenheit ist das gute Ergebnis des Forschungsprojekts. Gesundheitsförderliche Wirkungen konnten in den Versuche im Krankenhaus in Pisa nachgewiesen werden.
ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK
Der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft schätzt, im Nachhinein, den Start der Erzeugergemeinschaft als etwas zu zögerlich und vorsichtig ein. Heute würde er schneller mehr Betriebe einbinden. Andererseits führte die langsamere Ausweitung der Aktivitäten dazu, dass insbesondere in der Anfangsphase sich Vertrauen zwischen den Partnerbetrieben entwickeln konnte. Hierzu war es wichtig erstmal nur motivierte Menschen zusammenzubringen, die die gleichen Ziele verfolgen. Vertrauen ist insbesondere in der Anfangsphase entlang der gesamten Wertschöpfungskette und insbesondere mit den verschiedenen Partnerbetrieben aus dem Lebensmitteleinzelhandel wichtig. Inzwischen ist die Erzeugergemeinschaft so gewachsen, dass das Geschäft erweitert wurde. Es wurden neue Produkte eingeführt und neue Kooperationen geschlossen.
ABSCHLIEßENDES
Allgemeine Bewertung
Bei abschließender Betrachtung lässt sich zusammenfassen, dass vor allem auf persönlicher Ebene viel gelernt und mitgenommen wurde, zum Beispiel das Erlernen von neuen unternehmerischen Fähigkeiten, innovativen Ansätzen und einem neuen persönlichen Bewusstsein. Des Weiteren wurde aufgrund des Zusammenschlusses und der Zusammenarbeit zwischen den Betrieben gezeigt, dass eine Verbesserung der Landwirtschaft möglich ist. Darüber hinaus wurde ein höheres Einkommen für die beteiligten Landwirt:innen erreicht. Und zu guter Letzt hat auch die Perspektive der Erzeugergemeinschaft, die Bereitschaft Aktivitäten und Geschäfte zu erweitern, viel zum Erfolg beigetragen.
Ratschläge und Empfehlungen
Für eine erfolgreiche Zukunft in der Landwirtschaft ist Zusammenarbeit ein wichtiger Ausgangspunkt. Denn für eine funktionierende und ökonomisch tragfähige Landwirtschaft ist es notwendig Beziehungen zu schaffen und mit Expert:innen, Forscher:innen, anderen Betrieben und öffentlichen Einrichtungen zusammenzuarbeiten. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist Innovation. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entwicklung einer kurzen Lieferkette ist das Erreichen einer hohen Qualität bei den Produkten, beispielsweise können besondere Produkte, Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit für die Verbraucher:innen kaufentscheidend sein. Als letztes ist die Kommunikation ausschlaggebend. Ein qualitativ hochwertiges Produkt ist kostspieliger als ein Standardprodukt. Dieser Mehrwert muss vermittelt werden.

