PROJECT ON-FARM

TITEL DES PRAXISBEISPIELS

Churra-Schafe und Hofkäserei in Familienhand

IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS

Rahmendaten

La Faya

Land

  • Spanien

Name des Betriebs

  • Familienbetrieb

Landwirtschaft

  • Ackerbau/Gartenbau
  • Tierzucht
  • Produktverarbeitung auf dem Betrieb

Direktvermarktung

  • Ab-Hof Verkauf
  • Bauernmärkte
  • Onlineverkauf

DER BETRIEB

Angeles Santos besitzt zusammen mit ihrer Familie den Betrieb. Zu ihm gehören etwa 1200 Churra-Zuchtschafe, sowie Rinder und ca. 180 Hektar Weideland und 130 Hektar Ackerland. Die Hälfte der Anbaufläche ist für Roggen und die andere Hälfte hauptsächlich für Hafer und Hülsenfrüchte bestimmt. Die Produktion nutzen sie als Futtermittel und kaufen alles zusätzlich benötigte Futter zu. Ihre Haupteinnahmequelle ist die Herstellung von Käse aus der eigenen Schafsmilch. Der Verkauf von Wolle trägt sich bei den derzeitigen Marktpreisen nicht. Darüber hinaus verkaufen sie auch Lammfleisch zusammen mit einem anderen Betrieb. Auf dem Hof arbeiten sieben Personen, wovon fünf Familienmitglieder und nur zwei externe Arbeitskräfte sind. Die gesamte Produktion trägt das Bio-Siegel, mit Ausnahme des Lammfleisches, da sich die Zertifizierung der geringen Fleischmengen nicht lohnt. Der Schafskäse wird über den eigenen Hofladen, andere Lebensmittelgeschäfte oder über einen Online-Shop vertrieben. Das Lammfleisch wird über die Autochthonous Breed Association verkauft.

WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?

Der Betrieb zeichnet sich insbesondere durch drei Aspekte aus. Erstens gelang es in der Zucht die Größe der Schafe zu reduzieren. Das erleichtert das Herdenmanagement. Zweitens führte Angeles die Käseherstellung ein, um die Wertschöpfung zu steigern. Die Schafzucht alleine hätte den Betrieb auf Dauer nicht getragen. Drittens wurden drei GPS-Geräte pro Herde angeschafft, um die Schafe im Gelände leichter zu lokalisieren.

WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?

Die drei betrieblichen Innovationen haben mehrere Gründe. Zum einen dienen sie dazu, die Prozesse zu vereinfachen und die Produktivität zu steigern (Zucht und GPS-Sender). Zum anderen sollen sie die Wertschöpfung auf dem Betrieb steigern (Käseherstellung). Dies kombiniert mit Direktvermarktung machen den Betrieb unabhängiger von Zwischenhändlern.

WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?

Die größten Schwierigkeiten hatten immer mit dem Umfang der erforderlichen Investitionen zu tun. Die Einführung der Käseherstellung war mit baulichen Veränderungen, neuen Geräten und Anlagen und damit hohen Investitionen verbunden. Nach der Investition in die Käserei hatte Angeles mit ihrem Kooperationspartner überlegt, in einen Zerlegungsraum für das Fleisch zu investieren. Aufgrund der derzeit hohen und weiter steigenden Kosten haben sie das Projekt erstmal gestoppt.

REFLEKTION DER ERGEBNISSE

Im Moment arbeiten ihre Eltern, ihre beiden Brüder und sie selbst sowie zwei Angestellte auf dem Hof. Nach und nach verbessern sie ihre Prozesse, indem sie Maschinen wie eine neue Schneidemaschine für den Käse kaufen. Die Tatsache, dass der größte Teil der Produktion direkt und lokal verkauft wird, ist für sie ein Grund des Stolzes, denn für Angeles ist Nachhaltigkeit sehr wichtig. Sie möchte ihren Betrieb weiterwachsen sehen, allerdings nicht so sehr an der Größe, sondern mehr in weiterer Verbesserung der Qualität.

ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK

Die Fehler, die sie gemacht haben, sind Teil des Lernprozesses, also würde Angeles und ihre Familie, im Nachhinein nichts anders machen. Sie räumen jedoch ein, dass sie, um in den Genuss von Förderung zu kommen, erhebliche Aufwendungen hatten. Im Nachhinein würden sie größere Investitionen Stück für Stück mit dem Wachstum des Betriebs angehen. Durch die höhere Wettbewerbsfähigkeit amortisieren diese sich dann schneller. Angeles und ihre Familie möchte auch zukünftig die Wertschöpfung aus der Schafzucht, Schafskäseherstellung und des Lammfleischs steigern. Deshalb wollen sie das Projekt zur Errichtung eines Zerlegeraums wieder aufgreifen. Da sie sich in einer Region mit hoher Abwanderungsrate befinden, werden solche Investitionen von der öffentlichen Verwaltung unterstützt und gefördert. Allerdings sind in der Region auch qualifizierte Arbeitskräfte, die den Betrieb beispielsweise in der Fleischverarbeitung unterstützen könnten, entsprechend rar.

ABSCHLIEßENDES

Allgemeine Bewertung

Sie persönlich freut sich sehr, weiterhin in einem Sektor arbeiten zu können, der ihr gefällt. Es erfüllt sie mit ihrer Familie auf dem heimischen Betrieb zu arbeiten und qualitativ hochwertige Lebensmittel herzustellen, die von den Verbraucher:innen geschätzt werden.

Ratschläge und Empfehlungen

Angeles rät: „Für jemanden, der oder die gerade erst einen Betrieb aufbaut, ist es am besten, einen Bio-Betrieb aufzubauen. Die biologische Landwirtschaft ermöglicht es, mit kleineren Mengen wirtschaftlich zu arbeiten, wenn die Wertschöpfung z. B. durch Direktvermarktung hoch genug ist. Neueinsteiger:innen sollten sehr vorsichtig mit Investitionen und Förderprogrammen sein, wenn diese sehr große Investitionen voraussetzen. Diese sind möglicherweise nicht sofort notwendig sind, steigern jedoch die Verbindlichkeiten. Es ist notwendig, eine gute Ausbildung zu haben, nach draußen zu gehen und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, die es uns ermöglichen, ein viel reichhaltigeres Projekt zu gestalten.“