PROJECT ON-FARM
TITEL DES PRAXISBEISPIELS
Ecodebio – stadtnahe Gemüseerzeugung
IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS
Rahmendaten
Ecodebio
Land
- Spanien
Name des Betriebs
- Familienbetrieb
Landwirtschaft
- Ackerbau/Gartenbau
Direktvermarktung
- Ab-Hof Verkauf
- Bauernmärkte
- Onlineverkauf
DER BETRIEB
Der Betrieb Ecodebio wird von Juan und Natalia geleitet. Sie bauen auf 2 Hektar Gemüse, in der Nähe von Madrid, an. Das Land gehört der Stadt Rivas und wird im Rahmen einer kommunalen Initiative zur Förderung von Kleinerzeugerbetrieben an Ecodebio verpachtet. Sie verkaufen ihr Obst und Gemüse direkt an die Endverbraucher:innen und an einige kleine Geschäfte. Das Gemüse, das sie nicht selbst absetzen können, wird an einen Bio-Vertriebshändler auf dem zentralen Markt von Madrid (Mercamadrid) verkauft. Die beiden produzieren nur saisonales Gemüse, haben keine Gewächshäuser und verarbeiten ihre Produkte nicht, obwohl sie sogar einen Teil ihrer Tomatenernte an einen Marmeladenhersteller verkauft haben. Dank einer Kooperation mit einem anderen Bio-Obstproduzenten verkaufen sie auf Anfrage auch verschiedene Obstsorten in ihren Verkaufswagen.
WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?
Juan und Natalia versuchen immer wieder, Innovationen mit neuen Sorten von Produkten einzuführen. Jedes Jahr säen und bauen sie verschiedene Sorten an und wechseln die Terrassen mit verschiedenen Kulturen ab, um das Risiko von Schädlingen und Krankheiten zu verringern. Die jüngste Innovation ist die Installation eines Venturi-Systems für die Düngung. Obwohl sie weiterhin mit organischer Düngung arbeiten, um den Boden vorzubereiten, setzen sie nach dem Anbau auf diese Technik, weil sie sehr bequem und effektiv ist. Dabei werden den Pflanzen die Nährstoffe in Abhängigkeit der Wassermenge zugeführt.
WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?
Das Bewässerungssystem wurde als unverzichtbar angesehen, denn wenn die Gemüsepflanze bereits wächst und ein Nährstoffdefizit festgestellt wird, ist es sehr schwierig, ihn in durch festen Dünger zu decken. Juan und Natalia nutzen das Bewässerungssystem auch, um beispielsweise einmal pro Woche Wurmhumus zu injizieren. Mit anderen Worten, mit dem System kann auf sehr effektive Weise während des gesamten Zyklus kleine Beiträge zur Ernte in sehr präzisen Mengen geleistet werden, die direkt an die Pflanzen gehen, ohne dass Maschinen dafür eingesetzt werden müssen.
WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?
Als Neueinsteiger benötigt der Betrieb angepasste Beratung, da sich die Natalia und Juan Informationen selbst besorgen können, diese dann aber im Kontext ihres Betriebs einordnen müssen. Das fällt ihnen teilweise schwer. Auch mit der Fördermittelakquise tun sie sich teilweise schwer. Sie erhalten zwar Unterstützung durch den Anbauverband vor Ort und die Verwaltung. Bei spezifischen Fragen stoßen die Berater:innen teilweise an Grenzen, da sie nicht die Personen aus der Verwaltung sind, die über die Anträge im Detail entscheiden. Ein weiterer Punkt ist die fehlende technische Beratung über innovative Techniken oder Marketing. Die Anbauverbände mit ihren Foren sind sehr nützlich, um Ideen zu entwickeln und Erfahrungen auszutauschen. Juan und Natalia hatten viele Schwierigkeiten, vor allem bei der Vermarktung, denn selbst bei technischen Fragen zum Anbau kann das Internet oder das von der Gemeinde eingestellte technische Personal zu Rate gezogen werden. Aber für den Aufbau von Vermarktungsstrukturen gibt es nur sehr wenig praktische Hilfe. Auch die Marketingkurse, die für Natalia und Juan infrage kamen, hatten oft einen Stundenplan, der mit ihren gärtnerischen Tätigkeiten kaum vereinbar war.
REFLEKTION DER ERGEBNISSE
Natalia und Juan glauben an biologische und saisonale Landwirtschaft und als sich die Gelegenheit bot, haben sie beschlossen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Die beiden hatten großes Glück mit ihren Kolleg:innen, denn es ist ihnen gelungen, eine sehr aktive Gruppe an Leuten zu bilden, die sich dem Gemüseanbau widmen und sich gegenseitig unterstützen. Sie sind mit den erzielten Ergebnissen zufrieden – das Geschäft wächst und die Nachfrage steigt. Doch es gibt Phasen und Zeiten, in denen sie mit dem Wetter oder Kaninchenbefall zu kämpfen haben. Auch viel Freizeit haben sie nicht mehr: wenn sie nicht in der Gartenanlage sind, verkaufen sie oder liefern die Produkte aus.
ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK
Im Großen und Ganzen sind sich Natalia und Juan einig, dass sie nichts anders machen würden und alle getätigten Investitionen gut durchdacht waren. Das einzige ist, dass sie noch mehr Hilfsmittel beantragt hätten, von denen sie anfangs dachten, dass sie nicht miteinander kombinierbar sind. Den Rest – Fehler mit bestimmten Sorten oder mit der Verarbeitung – sehen die beiden als Teil des Lernprozesses. Fehler, die notwendig waren, um andere, schwerwiegendere Fehler zu vermeiden. Was die Zukunft angeht, so versuchen die beiden, mit anderen Erzeuger:innen Kooperationen einzugehen, um verschiedene genossenschaftliche Supermärkte zu beliefern. Diese haben eine so hohe Nachfrage nach Produkten, die sie selbst nicht befriedigen können. Außerdem wollen sie eine Investitionsbeihilfe beantragen, um das gesamte Bewässerungssystem zu ändern, Verluste zu vermeiden und die Effizienz zu verbessern. Des Weiteren möchten Juan und Natalia das Grundstück einzäunen, um Verbiss zu minimieren. In Rivas plant die Gemeinde, die Schulkantinen mit lokalen Bio-Produkten zu versorgen. Daran würden sich Natalia und Juan gerne beteiligen.
ABSCHLIEßENDES
Allgemeine Bewertung
Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt immer weiter an. Um erschwingliche Preisen bieten zu können, müssen alternative Vermarktungswege wie der Ab-Hof Verkauf etabliert werden. Dieser ermöglicht es, Kontakt zwischen Verbraucher:in und Erzeuger:in herzustellen und die lokalen Sorten sowie den Saisonkalender kennenzulernen. So können die Produkte zu einem optimalen Zeitpunkt geerntet werden.
Ratschläge und Empfehlungen
„Das Wichtigste ist, zu wissen, dass das, was bei anderen Höfen oder Verbänden funktioniert, nicht unbedingt auch bei Ihnen funktioniert und umgekehrt.“ Laut Juan und Natalia muss man sich gut vorbereiten, um eine Entscheidung zu treffen: Alternativen, Konsequenzen, Vor- und Nachteile abwägen, aber letztendlich kann einem niemand garantieren, dass es funktioniert. Es ist empfehlenswert die Risiken zu kalkulieren, kleine Tests zu machen, oder auch sich an anderen Betrieben oder Beispielen orientieren. Bei landwirtschaftlichen Projekten ist es auch sehr wichtig, sich über ähnliche Fälle in der Region zu informieren, da Böden und Klima einen großen Einfluss auf den Erfolg haben. Schließlich ist es wichtig, dass das Marketing und der Verkauf nicht vernachlässigt werden. Man muss wissen, wie man ein Produkt verkauft, sich über die Produktions- und Vertriebskosten informieren sowie sich über die möglichen Verluste und die finanziellen, klimatischen oder gesundheitlichen Risiken im Klaren sein, um das Produkt bewerten und einen Preis festlegen zu können.

