PROJECT ON-FARM
TITEL DES PRAXISBEISPIELS
Eine alte Linsensorte neu entdeckt
IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS
Rahmendaten
Lauteracher Alb-Feld-Früchte
Land
- Deutschland
Name des Betriebs
- Einzelbetrieb
Landwirtschaft
- Ackerbau/Gartenbau
Direktvermarktung
- Ab-Hof Verkauf
- Onlineverkauf
- Direktvermarktung über Hofladen oder externen Lebensmittelladen
DER BETRIEB
Das Unternehmen hat seinen Sitz in Lauterach, einer Gemeinde in Baden-Württemberg. In Lauterach werden seit 1985 Linsen angebaut und verarbeitet. Im Jahr 2009 hat Lutz Mammel den Betriebszweig „Alb-Leisa" übernommen. Seit 2014 heißt dieser Bio-Verarbeitungsbetrieb „Lauteracher Alb-Feld-Früchte". Unter dem geschützten Markennamen Alb-Leisa – Linsen von der Schwäbischen Alb – werden von Lauteracher Alb-Feld-Früchte ausschließlich ökologisch angebaute Linsen der Bio-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa verkauft. Der Betrieb beschäftigt vier Vollzeit- und acht Teilzeitkräfte. Er ist bio-zertifiziert nach den Richtlinien von Bioland. Der Betrieb baut unter anderem Alb-Leisa, Buchweizen, Leinöl, Leinsamen, Hanfsamen und Nacktgerste selbst an und stellt eigene Nudeln her. Die Feldfrüchte werden von mehr als 140 Biobetrieben geliefert, die die Bio-Rohstoffe auf rund 500 Hektar Ackerfläche auf der Schwäbischen Alb anbauen. Weitere Produkte bezieht der Betrieb von anderen regionalen Bio-Partnern und -Höfen. Die Vermarktung der Produkte erfolgt über verschiedene Kanäle. Seit 2014 gibt es einen Hofladen direkt auf dem Hof. Außerdem gibt es einen Online-Shop, über den die Produkte erworben werden können. Auf der Homepage gibt es ein kostenloses Angebot mit einer großen Auswahl an Rezepten.
WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?
Eine wichtige Innovation war die Gründung der Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa. Das wichtigste Ziel der Öko-Erzeugergemeinschaft ist die Wirtschaftlichkeit des Linsenanbaus, damit eine dauerhafte Erhaltung auf der Schwäbischen Alb möglich ist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Vermehrung und des Anbaus der alten Sorten der Alblinsen. Zusätzlich wird die Kulturpflanzenvielfalt im Anbaugebiet durch den Anbau von Buchweizen, Leindotter, Leinsamen, Hirse und Hanf erhöht.
WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?
Der Anbau von Sonderkulturen wie Linsen, Buchweizen usw. erfordert spezielle Kenntnisse und eine komplexe und kostenintensive Technologie, insbesondere bei der Verarbeitung. Dies ist für einen einzelnen Betrieb kaum leistbar. Daher werden diese Prozesse und Kosten von vielen Betrieben in der Erzeugergenossenschaft getragen. Dies ermöglicht stabile Auszahlungspreise, überdurchschnittliche Einkommensbeiträge und eine sehr gute Gruppendynamik in der Gemeinschaft.
WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?
Hindernisse, die auftraten, waren unter anderem Probleme in den Mitgliedsbetrieben durch stark schwankende Erträge und komplizierte Anbaumethoden. Darüber hinaus besteht eine starke Abhängigkeit von Witterungseinflüssen. Beispielsweise verursachte das Regenjahr 2021 eine sehr schlechte Ernte. Auch reduziert die notwendige Anbaupause für Linsen die Verfügbarkeit des Produktes (Linsen können nur alle 6 Jahre angebaut werden).
REFLEKTION DER ERGEBNISSE
Der Anbau von Linsen, Buchweizen usw. ist in einer Erzeugergemeinschaft sicherer und damit auch attraktiver. Hohe Produkt- und Verarbeitungsqualität bei Lauteracher-Alb Feld-Früchte sichert und erhöht den Marktanteil. Darüber hinaus erhöht der Linsenanbau die Artenvielfalt auf den Feldern, schafft Bewusstsein bei Erzeuger:innen (Familien) und Verbraucher:innen.
ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK
In die Zukunft schauend, möchte die Genossenschaft die betrieblichen Organisationsstrukturen weiter optimieren. Auch sollen noch mehr Biobetriebe auf der Schwäbischen Alb für den Linsenanbau begeistert werden. Ebenso bietet sich die Aufnahme zusätzlicher Kulturen in das Sortiment an, um weiter Fuß zu fassen und Anbaurisiken zu reduzieren.
ABSCHLIEßENDES
Allgemeine Bewertung
Der visionäre Ansatz des Hülsenfruchtanbaus (seit 1985) trifft heute den Zeitgeist und die Notwendigkeit einer klimagerechten Landwirtschaft. Der Anbau von Linsen und Buchweizen stärkt die Artenvielfalt, die Ökologie und die Wirtschaft der beteiligten Betriebe. Wenn der Geschmack des Produkts und die Qualität seiner Verarbeitung gut sind, werden die Verbraucher:innen auch einen höheren Preis akzeptieren.
Ratschläge und Empfehlungen
Produkt und Erzeuger:in müssen authentisch sein. Der Anbau und die Verarbeitung sollten ehrlich und transparent sein. Wenn die Verbraucher:innen einen Mehrwert (auch einen ökologischen) erkennen können, sind sie auch bereit, einen höheren Preis für das Produkt zu zahlen.

