PROJECT ON-FARM
TITEL DES PRAXISBEISPIELS
Ein Milchviehbetrieb mit zwei Vertriebswegen
IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS
Rahmendaten
Familienbetrieb Šobáň
Land
- Tschechien
Name des Betriebs
- Familienbetrieb
Landwirtschaft
- Tierzucht
- Produktverarbeitung auf dem Betrieb
Direktvermarktung
- Bauernmärkte
DER BETRIEB
Petr Šobáň ist 27 Jahre alt und tschechischer Landwirt. Er leitet den Familienbetrieb, auf dem er mit seinem Bruder arbeitet. Seinen Eltern, Großeltern und weitere Geschwister helfen regelmäßig aus. Zusätzlich verfügt der Betrieb über zwei Angestellte: einen Melker und einen Käser Der Betrieb hält 55 Milchkühe, dazu einige Kälber und Rinder. Im Moment geht der Großteil der Milch an eine große Molkerei, ein Teil wird selbst verarbeitet und vermarktet. Sie stellen Frischkäse und Grillkäse sowie Joghurt und Quark her und auch Frischmilch wird angeboten. Außerdem vermarkten sie eigene Rindfleischprodukte. Petr hofft, dass die Direktvermarktung von Milch und Milchprodukten noch zunehmen wird. Allerdings ist die Hofkäserei derzeit voll ausgelastet. Etwa 25 Prozent des Einkommens der Milchviehhaltung werden in der Direktvermarktung erwirtschaftet. Dazu kommen noch Einnahmen aus dem Ackerbau.
WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?
Der Betrieb zeichnet sich durch eine innovative Marketingstrategie aus. Regelmäßig finden „Tage auf dem Bauernhof" statt, an denen Menschen den Hof besichtigen können. Außerdem lädt der Betrieb am Ende des Schuljahrs Schulklassen und Kindergartengruppen ein. Darüber hinaus nutzt er soziale Medien, die eigenen Webseite und die Präsenz im Lebensmitteleinzelhandel, um auf den Hof aufmerksam zu machen.
WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?
Petr gefiel die Abhängigkeit von großen Molkereien nicht. Deswegen suchte er nach einer Möglichkeit, um seine Produkte direkt zu verarbeiten und zu verkaufen. Er ließ sich von anderen landwirtschaftlichen Betrieben und auch von Schulen inspirieren, und setzte Ansätze wie beispielsweise den Tag der offenen Tür und eine Besuchsmöglichkeit von Kindergruppen im eigenen Betrieb um. Durch die Direktvermarktung kann er unabhängig entscheiden, was er aus seinen Produkten herstellt und gleichzeitig kann er die Wertschöpfung seines Betriebes steigern.
WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?
Es zeigte sich in der Vergangenheit, dass das Marketing und die Direktvermarktung viel Zeit in Anspruch nehmen. Das Konzept geht für den Familienbetrieb jedoch auf und Petr ist sehr zufrieden.
REFLEKTION DER ERGEBNISSE
Insgesamt gab es bei der Neuausrichtung keine größeren Hindernisse und die Wertschöpfung des Betriebes konnte erfolgreich gesteigert werden. Dabei blieben die Verbindlichkeiten im Rahmen. Jedoch arbeitet die Käserei bereits an der Kapazitätsgrenze.
ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK
Petr möchte die Molkerei erweitern und einen Selbstbedienungsladen in der Nähe des Hofes einrichten. So sollen die Kund:innen die Produkte direkt beziehen können. Außerdem möchte er den Verkauf von Fleischprodukten ausbauen. Für ihn ist die Verarbeitung von Fleisch im Vergleich zu Milch weniger anspruchsvoll.
ABSCHLIEßENDES
Allgemeine Bewertung
Petr zieht eine positive Bilanz über die Entwicklung seines Betriebs in den letzten Jahren. Er ist mit den vorgenommenen Veränderungen sehr zufrieden. Ihm gefällt, dass der Hof sich immer mehr ins positive entwickelt.
Ratschläge und Empfehlungen
Petrs Ratschlag ist: „Wenn in Ihnen ein Feuer für die Landwirtschaft brennt, dann sind Sie die richtige Person, um einen Bauernhof zu gründen oder zu führen. Um in die Direktvermarktung einzusteigen, sollte anfangs das Marktumfeld analysiert und darauf geachtet werden, ob beispielsweise ein Produkt nicht angeboten wird, das eine Marktnische darstellen kann. Es sollte beachtet werden, dass zu der Entscheidung mit eigener Landwirtschaft anzufangen, auch die Beschäftigung mit Management und anderen Prozessen gehört.“





