PROJECT ON-FARM

TITEL DES PRAXISBEISPIELS

FORTETO – Der Supermarkt im ländlichen Raum

IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS

Rahmendaten

COOPERTATIVA IL FORTETO

Land

  • Italien

Name des Betriebs

  • Beteiligungsgesellschaft

Landwirtschaft

  • Ackerbau/Gartenbau
  • Tierzucht
  • Produktverarbeitung auf dem Betrieb

Direktvermarktung

  • Ab-Hof Verkauf
  • Direktvermarktung über Hofladen oder externen Lebensmittelladen

DER BETRIEB

Il Forteto ist eine 1977 gegründete Erzeugergenossenschaft. Heute hat sie 72 Mitglieder mit über 80 Beschäftigten. Im Laufe der Jahre hat sich die Genossenschaft auf die Herstellung von Frischkäse und gereiftem Käse spezialisiert und ist eine der wichtigsten Molkereien innerhalb des Konsortiums zum Schutz von Pecorino Toscano DOP. Aber die Genossenschaft hat ihre landwirtschaftliche Berufung nie aufgegeben und auf dem fast 500 Hektar großen Anwesen in den Hügeln des Mugello, zwischen den Gemeinden Vicchio und Dicomano, werden Rinder gezüchtet, Kuhfutter und Weizen angebaut. Ergänzt wird der Agrarsektor durch den Anbau von Äpfeln, aus denen Apfelsaft hergestellt wird, den Anbau von Gemüse für den Ab-Hof Verkauf und die Herstellung von Olivenöl extra aus Oliven von den eigenen Olivenbäumen, die sich im hügeligsten Teil des Anwesens befinden. Die Mehle, die hergestellt werden, werden in der eigenen Steinmühle gemahlen und verkauft oder auch zu traditionellen Holzofenbroten weiterverarbeitet.

WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?

ll Forteto entstand um aus der Milch der Mitglieder der Genossenschaft Käse herzustellen. Am Anfang war Il Forteto eine kleine, handwerklich arbeitende Molkerei. Im Laufe der Jahre ist die Erzeugergenossenschaft gewachsen und es konnten technische Innovationen eingeführt werden. Die Molkerei war und bleibt der wichtigste Betriebszweig von Il Forteto. Die Molkerei wurde, wie bereits erwähnt, im Laufe der Zeit durch weitere ebenso wichtige Produktionen ergänzt. Die Zucht von Chianina-Rindern wurde erfolgreich aufgebaut. Der Obst- und Gemüseanbau wurde eingeführt. So können Äpfel, Feigen und weitere Obstsorgen sowie Kartoffeln und anderes saisonales Gemüse angeboten werden. Später begann die Genossenschaft mit dem Verkauf von Zierpflanzen. In jüngster Vergangenheit werden die Produkte der Erzeugergenossenschaft im eigenen Bistro zubereitet angeboten. Das Bistro schließt an den Hofladen an. Für effiziente Prozesse gibt es keinen Service an Tischen, sondern eine Theke zur Auswahl, Bezahlung und Entgegennahme der Gerichte. Aufgrund dieser auffallenden Heterogenität weckt Il Forteto immer wieder Interesse von Schulen, landwirtschaftlichen Instituten und Kochschulen. Die Studierenden haben die Möglichkeit Einblick in alle Angebote zu bekommen.

WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?

Die Gründer der Genossenschaft führten die Direktvermarktung ein, um die von ihnen produzierten Produkte zu verkaufen und sich durch die höhere Marge wirtschaftlich gut aufzustellen. Das Angebot der Erzeugergenossenschaft wurde kontinuierlich ausgebaut, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Verbraucher:innen zu befriedigen, aber auch, um die Produktpalette der Mitgliedsbetriebe zu verarbeiten und zu vermarkten. Mit eigenem Laden, Online-Shop und Bistro werden unterschiedliche Kanäle bespielt, die der Erzeugergenossenschaft eine hohe Wertschöpfung versprechen.

WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?

Die größte Herausforderung sind die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Prozesse, vor allem in Kombination mit den unterschiedlichen Anforderungen der Direktvermarktung je Produkt. Außerdem können die Menge und die Qualität der frischen, landwirtschaftlichen Produkte, je nach Wetter oder aufgrund anderer Einflüsse, schwanken. Gleichzeitig unterliegt auch die Nachfrage nach einzelnen Produkten seitens der Verbraucher:innen saisonalen Schwankungen. Gerade von den Produkten, die nicht durch die Erzeugergenossenschaft selbst hergestellt oder verarbeitet werden, können nicht immer die Qualitätsansprüche eingehalten oder ausreichende Mengen angeboten werden. Die wachsende Zahl an Junglandwirt:innen in der Region, die großen Wert auf handwerkliche Qualität und Nachhaltigkeit legen, stimmt die Erzeugergenossenschaft Il Forteto optimistisch, in Zukunft weiter wachsen zu können.

REFLEKTION DER ERGEBNISSE

Die Erzeugergenossenschaft ist kontinuierlich gewachsen. Dabei nahmen sowohl die die Zahl ihrer Mitglieder und Zulieferbetriebe kontinuierlich zu, als auch die angebotene Produktvielfalt. Gleichzeitig konnte die Produktqualität durch eine Professionalisierung der Verarbeitung kontinuierlich gesteigert werden. Eine Besonderheit ist, dass Il Forteto eine der 18 toskanischen Molkereien ist, die den geschützten Consorzio Tutela del Pecorino Toscano DOP produzieren.

ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK

Der Aufbau von Verarbeitungs- und Vermarkungsstrukturen ist kostspielig. Er lohnt sich jedoch langfristig, da die eigenen landwirtschaftlichen Produkte mit höherer Wertschöpfung vermarktet werden können. Und letztendlich tragen diese Aktivitäten dazu bei, den Wert der eigenen Lebensmittel noch besser darzustellen. Zukünftig werden verschiedenste Aktivitäten mit Studierenden, Schülerinnen und Schülern und Kindergartenkindern ausgebaut. Jungen Menschen soll bereits früh vermittelt werden, was gutes Essen bedeutet.

ABSCHLIEßENDES

Allgemeine Bewertung

Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung von Il Forteto konnten alle Herausforderungen, die im Laufe der Zeit auftraten, gemeistert werden. Die Produktpalette umfasst alle für die Region typischen Produkte, die von der Kundschaft sehr geschätzt werden. Trotzdem wird das Unternehmensnetzwerk um die Erzeugergemeinschaft kontinuierlich erweitert.

Ratschläge und Empfehlungen

Landwirtschaft ist mehr als die Produktion von Nahrungsmitteln. Die Multifunktionalität zu nutzen ist eine große Chance und Herausforderung zugleich. Wichtig dabei sind regionale Verbundenheit, hohe Qualität der Waren, Serviceorientiertheit der Angebote und Offenheit und Transparenz gegenüber der Kundschaft und Gästen.