PROJECT ON-FARM
TITEL DES PRAXISBEISPIELS
Honig aus Alcarria (DO)
IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS
Rahmendaten
Luz de miel
Land
- Spanien
Name des Betriebs
- Einzelbetrieb
Landwirtschaft
- Ackerbau/Gartenbau
Direktvermarktung
- Ab-Hof Verkauf
- Direktvermarktung über Hofladen oder externen Lebensmittelladen
DER BETRIEB
José Luis Delgado begann als junger Landwirt im Jahr 2003. Er bewirtschaftete 300 Bienenstöcke, durch die Umstellung auf biologische Landwirtschat hat sich diese Anzahl beziehungsweise seine Produktionskapazität aus verschiedensten Gründen (Management und Schädlinge) verringert. Heute besitzt er noch 150 Bienenstöcke. Außerdem trägt der Honig die geschützte Ursprungsbezeichnung „Honig aus der Alcarria", die einen sehr guten Ruf genießt. Zusätzlich bewirtschaftet er neun Hektar Olivenhaine und betreibt auf sieben Hektar Ackerbau und Gemüseanbau. Die Haupttätigkeit, mit der er sein Haupteinkommen erzielt, ist die Imkerei. Er bewirtschaftet den Betrieb selbst, obwohl er bei gelegentlichen Arbeiten wie der Olivenernte von seiner Frau und zwei Kindern unterstützt wird.
WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?
Die Innovationen, die im Betrieb eingeführt wurden, betrafen vor allem die Zulassung für den Verkauf Ab-Hof von Honig und die Umstellung auf den ökologischen Landbau.
WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?
Seit der Gründung hat José Luis mehrere Innovationen eingeführt. Erstens musste er die baulichen Voraussetzungen schaffen, um Hygienestandards bei der Honiggewinnung einhalten zu können. Das war eine Voraussetzung für den Ab-Hof Verkauf von Honig. Der Umbau wurde durch einen Zuschuss gefördert. Ohne die Direktvermarktung könnte sich der Betrieb nicht gegen Importhonig durchsetzen. Die zweite, bereits erwähnte, Innovation ist die Umstellung auf den ökologischen Landbau. Diese Umstellung erfolgte aus persönlicher Überzeugung, da der Einsatz von Chemikalien zur Behandlung bestimmter Probleme, wie der Varroamilbe, nicht nur für die Umwelt, sondern auch für ihn selbst nicht mehr tragbar war.
WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?
Glücklicherweise gab es nach den Umbauten keine Hindernisse beim Ab-Hof Verkauf. Die Umstellung auf ökologischen Landbau im Jahr 2013 war jedoch eine Herausforderung. Der Verzicht auf Chemikalien bedeutete einen erheblichen Verlust an Bienenstöcken. So ist die Zahl der Bienenstöcke auf die Hälfte zurückgegangen. Zudem sind die Bewirtschaftungsmethoden komplexer und zeitaufwendiger. Infolgedessen musste er den Preis erhöhen. Während er vor der Umstellung seinen gesamten Honig über den Hofladen absetzen konnte, gelingt ihm das mit den höheren Preisen nicht mehr. Deshalb verkauft er seinen Honig zusätzlich auf einem Erzeugermarkt in Madrid. Zudem plant er einen Online-Shop zu eröffnen.
REFLEKTION DER ERGEBNISSE
„Der Ab-Hof Verkauf war die einzige Möglichkeit, die ich hatte, um auf dem Honigmarkt zu überleben“ Zu seinem Glück lebt José Luis in einer Region, in der Honig ein hoch geschätztes Produkt ist. Die Umstellung auf ökologischen Landbau ist eine langfristige Verpflichtung, die er aus persönlicher Überzeugung eingegangen ist, die ihm aber auch langfristig Vorteile bringen wird. Diese werden in erster Linie durch die Produktion selbst entstehen. Zur Bekämpfung der Varroamilbe, einem der größten Probleme der Imkerei, wurden viele Chemikalien eingesetzt, die nach und nach Resistenzen hervorgerufen haben, so dass diese Behandlungen immer unwirksamer werden. Änderungen in der Betriebsführung, wie z. B. das Einsperren von Königinnen, das in der ökologischen Landwirtschaft heute fast obligatorisch ist, sind viel wirksamer, auch wenn sie einen Produktionsverlust bedeuten, da sie längere Standzeiten, viel Fachwissen und viel mehr Zeitaufwand erfordern. José Luis ist der Meinung, dass es möglich ist, einen Nischenmarkt für Honig mit hoher Wertschöpfung zu finden, allerdings zu einem fast doppelt so hohen Preis. Nur kleine landwirtschaftliche Betriebe können diese Produkte anbieten, aber das erfordert natürlich einen höheren Aufwand bei der Vermarktung. Es ist notwendig, Verbraucher:innen von Angesicht zu Angesicht zu erklären, welche Merkmale den Honig auszeichnen.
ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK
„Ich hätte nicht anders handeln können“, sagt José Luis. Er ist der Meinung, dass es gegen seine Prinzipien verstoßen hätte, den Weg der konventionellen Imkerei weiter zu verfolgen. Der Verkauf von Honig mit großen Mengen chemischer Rückstände auf Bauermärkten, bei dem man sich bewusst ist, was man verkauft, wäre seiner Meinung nach weder ihm gegenüber noch gegenüber Verbraucher:innen ehrlich. Außerdem hätte die Verwendung dieser Chemikalien seiner Gesundheit, seiner Familie und seiner natürlichen Umgebung geschadet.
ABSCHLIEßENDES
Allgemeine Bewertung
Seit er in das Dorf zurückgekehrt ist und das Land von seiner Familie übernommen hat, ist es ihm gelungen, seine Anfänge in der Bienenzucht zu erhalten und weiterzuentwickeln. Er begann mit vielen Bienenstöcken und dem Verkauf in großen Mengen und spezialisierte sich nach und nach auf den Ab-Hof Verkauf von Bio-Honig. Die zunehmende Abhängigkeit von chemischen Produkten veranlasste ihn, sich dem ökologischen Landbau zuzuwenden, in den er noch weiter investieren muss, um die vollständige Umstellung zu vollziehen. Aufgrund seiner begrenzten Ressourcen erfolgt diese Umstellung schrittweise (die Verpackung des Honigs ist noch nicht biologisch zertifiziert). Aber er ist sich darüber im Klaren, dass dies die Art und Weise ist, die er gewählt hat, um zu produzieren, zu verkaufen.
Ratschläge und Empfehlungen
Jede:r muss die eigenen Beweggründe berücksichtigen, und auf dieser Grundlage muss jede:r einen eigenen Weg gehen. José Luis hat sich für einen umweltfreundlichen Betrieb mit einem qualitativ hochwertigen Produkt entschieden. Um wirtschaftlich zu arbeiten ist die Vermarktung zentral. Dazu braucht es eine klare Kommunikation – denn erst wenn die Verbraucher:innen den Wert des Produktes nachvollziehen können, ist es auch möglich dieses nicht unter Kosten zu verkaufen. Jose Luis sagt: „aus der Wertschöpfungskette auszusteigen, selbst zu produzieren und zu verkaufen, ist viel komplexer, aber auch viel schöner, da man etwas tut, an das man glaubt. Es kann natürlich auch frustrierender sein, denn wenn man versucht, seine Arbeit gut zu machen und ehrlich zu sein, wird man wütender über bestimmte Praktiken, wie z. B. wenn man Honig als seinen eigenen verkauft, obwohl er von anderen Erzeuger:innen stammt, oder wenn bei dem Verkauf von importiertem Honig die Verbraucher:innen betrogen werden.“

