PROJECT ON-FARM
TITEL DES PRAXISBEISPIELS
Züchtung der traditionellen iberischen Rinderrasse
IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS
Rahmendaten
Braman
Land
- Spanien
Name des Betriebs
- Familienbetrieb
Landwirtschaft
- Tierzucht
- Produktverarbeitung auf dem Betrieb
Direktvermarktung
- Ab-Hof Verkauf
- Bauernmärkte
- Onlineverkauf
DER BETRIEB
Der Betrieb gehört Fernando Manteca, 74 Jahre alt. Er führt den Bio-Betrieb zusammen mit seiner Frau. Sie werden von zwei Angestellten unterstützt. Ein Metzger übernimmt in Vollzeit die Fleischverarbeitung. Eine weitere Person unterstützt die Bauern in der Tierhaltung. Den Betrieb hat Fernando von seinen Eltern übernommen und somit sein ganzes Leben lang auf dem Hof gearbeitet. Heute werden 300 schwarze iberische Avileña gehalten. Diese Rasse des iberischen Rindes ist typisch für die Region. Die jungen Kälber werden, wenn sie von den Mutterkühen getrennt sind, fünf bis neun Monate lang auf den eigenen Weiden gehalten. Die Freilandhaltung führt aufgrund der Bewegung der Kälber und des biologischen Futters zu einer hohen Fleischqualität. Außerdem verfügt der Betrieb über etwa 200 Hektar Ackerland, wobei er auch Tierfutter von anderen Biobetrieben aus der Region bezieht. Die Schlachtung erfolgt in einem externen Schlachthof. Die Fleischverarbeitung findet jedoch auf dem Hof statt. Dazu wurde ein eigener Zerlegeraum und eine Metzgerei eingerichtet. Seit dem Jahr 2000 wurde die Direktvermarktung auf- und ausgebaut. Heute wird die gesamte Produktion über die eigenen Kanäle direkt vermarktet.
Mehr Infos sind zu finden unter www.carnebraman.com und https://youtu.be/Aw6XdzQ2Kho.
WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?
Die wichtigste Änderung des Betriebskonzepts war die eigene Fleischverarbeitung zusammen mit der Direktvermarktung. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass ein hochwertiges Produkt entsteht und die Wertschöpfung dem Betrieb zugutekommt. Der Kauf eines Kühlwagens war deshalb eine wichtige Investition, um die Kund:innen direkt beliefern zu können. So wird das Fleisch vakuumverpackt ausgeliefert. Aus Altersgründen wurden zudem die oben genannten Stellen geschaffen, die die Bauersfamilie entlasten. Mit einer Übernahme des Betriebs durch die nächste Generation wird trotz des erfolgreichen Betriebs nicht gerechnet.
WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?
Fernandos Gesundheits- und Umweltbewusstsein veranlasste ihn vor mehr als 30 Jahren, zum Umstieg auf den Ökolandbau. Die Anfänge waren nicht einfach. Der nur 10 km entfernte regionale Schlachthof hatte kein Interesse daran, eine biozertifizierte Schlachtung einzuführen. Der nächste Betrieb, der dazu bereit war, lag 70 km vom Hof entfernt. Schritt für Schritt gelang es trotzdem das hochwertige Fleisch, vor allem in Madrid, über die Verbraucherverbände bekannt zu machen. Der Lebensmitteleinzelhandel war keine Alternative für Fernando. Die zu geringen Gewinnspannen wären für ihn nicht wirtschaftlich gewesen.
WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?
Anfangs fehlten die Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen für Bio-Fleisch. Auch die Investitionen in die Fleischverarbeitung und Direktvermarktung waren für den Betrieb vergleichsweise groß. Der Betrieb musste beim Aufbau der Direktvermarktung lernen, die Fleischlogistik und die Auslieferungen zu organisieren. Der Betrieb beteiligte sich an einem Zusammenschluss von Direktvermarkterbetrieben, um eine gemeinsame Logistik aufzubauen. Doch das Projekt scheiterte. Wenngleich die Direktvermarktung für den Betrieb ein Erfolg ist, so führt sie doch dazu, dass der Betrieb Schwankungen der Nachfrage unmittelbar mitbekommt.
REFLEKTION DER ERGEBNISSE
Der Betrieb konnte in den letzten 30 Jahren kontinuierlich wachsen und war stets rentabel. Entscheidend für den Aufbau der Direktvermarktung war die Einsicht, dass der Verkauf über den Lebensmitteleinzelhandel zu wenig Wertschöpfung auf dem Betrieb lassen würde. Der Fokus auf Qualität und Direktvermarktung bestätigt sich im Erfolg des Betriebs und seiner Bekanntheit über die Region hinaus.
ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK
Fernando ist der Meinung, dass die Tatsache, dass die Zahl der Betriebe in der Region im Laufe der Zeit rapide gesunken ist und sein Bauernhof aber noch besteht, ein Zeichen dafür ist in der Vergangenheit richtig gehandelt zu haben – auch wenn auch Fernando in der Vergangenheit Fehler gemacht hat. So gibt es in seinem Dorf heutzutage nur noch einen weiteren, aber viel größeren, Viehzuchtbetrieb. Wenn Fernando jünger wäre, würde er mehr Weideflächen nutzen und seinen Viehbestand weiter ausbauen. Darüber hinaus bewertet er den Bio-Betrieb, als einzige Möglichkeit heutzutage auf dem Markt als kleiner Betrieb zu überleben, da den Verbraucher:innen so ein qualitativ hochwertiges und umweltverträgliches Produkt angeboten werden kann.
ABSCHLIEßENDES
Allgemeine Bewertung
Fernando und seine Frau sind mit den Ergebnissen der Vergangenheit zufrieden. In ihrer Region sind viele Betriebe verschwunden, und die verbleibenden Betriebe mussten ihre Produktion steigern, um die Kosten zu decken. Sie selbst haben sich mit einer nicht allzu großen Herde behauptet und verkaufen ihre gesamte Produktion an die Verbraucher:innen.
Ratschläge und Empfehlungen
Die Arbeit auf einem Hof ist sehr hart und anstrengend und erfordert viel Zeit und Mühe. Es ist wichtig Schritt für Schritt das eigene Konzept weiterzuentwickeln. Darüber hinaus sollten Investitionen nicht gescheut werden. Sie sind die Voraussetzung für eine effiziente und nachhaltige Produktion.

