PROJECT ON-FARM

TITEL DES PRAXISBEISPIELS

Solidarische Landwirtschaft „De Stadsgroenteboer“ in Amsterdam

IDENTIFIKATION DES PRAXISBEISPIELS

Rahmendaten

De Stadsgroenteboer

Land

  • Niederlande

Name des Betriebs

  • Einzelbetrieb

Landwirtschaft

  • Ackerbau/Gartenbau
  • Produktverarbeitung auf dem Betrieb

Direktvermarktung

  • Ab-Hof Verkauf

DER BETRIEB

Andres Martinez Jara stammt ursprünglich aus Kolumbien und arbeitet jetzt als Landwirt und Unternehmer in der Nähe von Amsterdam. Ende 2018 übernahm er zusammen mit einer Gruppe von Freunden (allesamt Absolvent:innen der Universität für Gastronomische Wissenschaften in Pollenzo, Italien), De Stadsgroenteboer, ein Projekt solidarischer Landwirtschaft, das auf einem Hektar wirtschaftet. Dort werden regenerative und biointensive Anbaumethoden praktiziert. Sie bauen insgesamt mehr als 15 verschiedene Gemüsesorten, 14 Kräuter und 10 verschiedene essbare Blumen an. Jede Woche liefern sie eine Kiste mit frisch geerntetem Gemüse an die Mitglieder. Im Zuge der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 gründete Andres Martinez Jara außerdem das Unternehmen „JARA", um unverkauftes Gemüse zu verarbeiten. JARA arbeitet heute mit 14 verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben zusammen, die verschiedene Gemüsesorten anbauen (Tomaten, seltene Chilis etc.). Heute kauft das Unternehmen das Gemüse im Voraus und verarbeitet es nach der Ernte zu verschiedenen Soßen, die es direkt an die Verbraucher:innen verkauft. Die Verarbeitung der Soßen erfolgt in der Kitchen Republic, einer Gemeinschaftsküche, die nachhaltige Lebensmittel-Start-ups in Amsterdam unterstützt.

WODURCH ZEICHNET SICH DER BETRIEB AUS?

In Stadsgroenteboer wird viel experimentiert, zum Beispiel mit Zwischenfruchtanbau. Je mehr Sorten man hat, desto größer ist der Ertrag, desto einfacher ist es, Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen und desto mehr Kohlenstoff nimmt der Boden auf. Je mehr Pflanzen man im Boden hat, desto gesünder wird er. Ein Beispiel dafür sind Frühlingszwiebeln, die mit Karotten oder Tomaten, die mit Basilikum verpflanzt werden. JARA zeichnet aus, dass die Produkte weder Zusatzstoffe noch Konservierungsmittel enthalten. Das bedeutet auch, dass sie schneller verderben. Aber sowohl Produzent, als auch Verbraucher:innen akzeptieren dies als Teil des Konzepts.

WARUM UND WIE KAM ES ZU EINER STRATEGIEÄNDERUNG UND INNOVATIONSEINFÜHRUNG?

Der Zwischenfruchtanbau wurde verbessert die Bodenqualität. Die JARA-Soßen knüpfen an den Trend nachhaltig erzeugter und gesunder Soßen und Dips an.

WELCHE HERAUSFORDERUNGEN GAB ES?

Bei De Stadsgroenteboer besteht die Herausforderung darin, immer mehr Menschen ernähren zu können, also die Produktion zu steigern. Die Gruppe besitzt inzwischen 1 Hektar Anbaufläche und gilt damit rechtlich gesehen nicht als Landwirtschaftsbetrieb, sondern als Gärtnerei. De Stadsgroenteboer hat 200 Mitglieder und eine Warteliste von 450 Personen. Sie müssen ihr Angebot erweitern, wozu ihnen bisher das Land fehlt. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften stellt kein Problem dar, denn es gibt viele Menschen, die das Projekt als Freiwillige, als freiberufliche Landwirt:innen und auch als Partner der solidarischen Landwirtschaft freiwillig unterstützen wollen. Die Hindernisse bei JARA waren zunächst einmal der Name. Am Anfang hieß es HERBANO, aber die Gruppe hat den Markenname nicht prüfen lassen, weil sie anfangs nicht wirklich an die Umsetzung des Projektes geglaubt hat. Als der Umsatz in Deutschland zu wachsen begann und viele Produkte verkauft wurden, wurden HERBANO vom Rechteinhaber belangt, weil sie einen Namen benutzten, der bereits auf dem Markt war. Also mussten sie schnell handeln und ließen die Marke JARA in den Benelux-Ländern eintragen. Ein weiteres Hindernis bei JARA ist die Kommunikation und das Marketing: Die Gruppe möchte weiterhin nicht über die sozialen Medien vermarkten, allerdings haben sie auch noch keine alternativen Strategien entwickelt.

REFLEKTION DER ERGEBNISSE

Rückblickend ist Stadsgroenteboer sehr zufrieden mit der Anzahl an Menschen, für die sie Lebensmittel bereitstellen. Das Projekt begann anfangs mit 35 Personen, die die solidarische Landwirtschaft unterstützten. Inzwischen ist die Gruppe auf 200 Personen angewachsen. Seit dem Beginn des zweiten Jahres können sie sogar Gehälter auszahlen. Auch das ist ein Erfolg. Auch wenn die Gehälter nicht hoch sind, so freuen sich die Mitarbeitenden daran nachhaltige Landwirtschaft betreiben zu können und gute Nahrungsmittel herzustellen. JARA verarbeitet mehr als 8 Tonnen Gemüse, plus einige limitierte Auflagen, um Gemüse zu verwenden, das vom Markt abgelehnt wird (z. B. „hässliche Karotten"), usw. Somit spielt JARA eine große Rolle bei der Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Darüber hinaus hat JARA zur Erhöhung der Artenvielfalt beigetragen, indem sie die Landwirt:innen aufforderten, unkonventionelle Gemüsesorten anzubauen.

ERFAHRUNGEN UND AUSBLICK

Andres empfiehlt vor Beginn des Anbaus, die Umgebung und die Geografie des Geländes zu prüfen. Die solidarische Landwirtschaftsgruppe bei Stadsgroenteboer hat dies nämlich nicht gemacht und musste dann mit den Konsequenzen kämpfen. So musste beispielsweise im Nachhinein ein Windschutz gebaut werden, um die Pflanzen vor dem kalten Wind zu schützen. Des Weiteren ist es ratsam vor Beginn des Anbaus ein Jahr Gründünung des Bodens durchzuführen und sich mit dem Boden generell auseinanderzusetzen. Darüber hinaus wäre Andres im Nachhinein den Beginn von JARA anders angegangen. Denn zu Beginn des Projekts hat die Gruppe sich nämlich vor allem mit der Covid-19-Pandemie auseinandergesetzt und somit ging das Erstellen eines Geschäftsplans und einer Strategie unter.

ABSCHLIEßENDES

Allgemeine Bewertung

Rückblickend zieht Andres eine positive Bilanz: er hat nicht nur mit seinen Freunden seinen Traum verwirklicht, sondern inzwischen läuft es nach anfänglichen Herausforderungen auch sehr gut. Auch in die Zukunft blickend bietet sich noch viel Potenzial. So hat sich die Gruppe beispielsweise das Ziel gesetzt, den Verkauf von JARA-Produkten in die gesamten Niederlande auszudehnen.

Ratschläge und Empfehlungen

Andres Ratschlag ist: „Traut euch! Habt keine Angst davor, euren eigenen Betrieb zu gründen. Bedenkt, dass das Leben auf dem Bauernhof im Sommer um einiges schöner ist als im Winter – wenn es regnerisch, windig und kalt ist. Darüber hinaus sollte euer Bauernhof nicht nur auf Leidenschaft basieren, sondern auch durch Wissen gestützt werden. Für das Herstellen von Produkten ist es empfehlenswert, die Arbeitsstunden der Menschen die an den Produkten arbeiten und unvorhergesehene Kosten direkt wieder in die Produkte zu reinvestieren.“